Lit. Fass-Säule   
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  © D. Engelberth, 2004 Curriculum vitae

   

Brot und Salz

   

 
Im fünften Jahr aber mochten wir nicht bleiben, wo wir waren.
Wo wir waren, war nur dickichte Stadt und kein Vorankommen.
Von Honig und Milch aber und von den Fleischtöpfen wollen wir hören: ‚Willkommen'.
Und sind die Töpfe goldumwirkt - wer spräche vom Unerreichbaren?


Zu zweit sind wir, mutig sind wir, nun reize einer den anderen zum Sprunge.
Im Hohelied les' ich's: "Ich komme in meinen Garten (!) ... pflücke meine Myrrhe
samt meinem Balsam, esse meine Wabe samt meinem Honig ..." Starre
für's Voran zurück auf: " ... deine Lippen ... Honig und Milch ist unter deiner Zunge."


Gehen wir, ich gestärkt, du tapfer und holen uns alten Wahlspruch: "panis et circencis".
Den Weg vor uns, den, zu den nicht nur mit Würzsud gefüllten Kesseln, den, den wir gehen:
karg, soll er sein, im Land, das nicht viel Volks kennt, das Grenzland war, ist er dazu ausersehen
sie uns entbehrlich werden zu lassen und sie uns zu reichen: die fruchtige Ranke ‚Skepsis'.


Zu anderem Werkers Wort, Wort über, nun ja, einen Verführer, noch rasch geschaut:
Der kommt aus dem Krieg, fragt: "Kein Brot, kein Salz, kein Fett - ist das der Friede?"
Wenn er es ist, so wollen wir dort nicht Wohnung nehmen. Trauen uns hinaus. Ist ja solide,
was wir von einander wollen, was wir einander sind: forcierend und vertraut.


Wo wir waren, waren nur Dickichte und kein Vorankommen.
Im fünften Jahr aber werden wir nicht bleiben, wo wir waren.
Alles hier oder dort goldumrankt - wer spräche vom Unerreichbaren?
Zu Honig und Milch, zu den Töpfen mit fetten Fleische, es gilt stets anzukommen.

© by Dietmar Engelberth, 2000




© Dietmar Engelberth, 2000