Lit. Fass-Säule   
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  © D. Engelberth, 2004 Curriculum vitae

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                                  Teil 1 von 12 ... vor
   

Feuer, Erde, Wasser, Luft

    Was ist für Sie das größte Unglück?

 
Wie werde ich dieses Husten los?
Kaum, daß ich mich an die Frage erinnerte, bekam ich keine Luft mehr. Ich lachte und lachte und lachte und hustete und der Staub, ach was Staub - Dreck, es ist Dreck in meiner Nase, in meinem Mund. Auf meiner Haut. Überall. Ich liege in einer Badewanne und in Dreck, Mörtel, Staub.

Manchmal-
Nein. Jetzt ist wieder alles still. Wann? Wann kommen sie? Ich höre nichts.

Fragen. Frag dich. Du darfst nicht einschlafen. Und du mußt kühl bleiben, überlegen. Wenn der Kopf schon keinen Raum hat, mußt du in deinem Kopf Weite, Raum schaffen. Felder, die du abernten kannst. Vertreib die Enge. Bleib bei dir. Wehre dich gegen alles, was dich umgibt. Bloß nicht verrückt werden. Laß dich nicht auffressen von dem, was auf dich einstürzt. Nähr dich an deinen Anworten. Du findest Anworten. Frag dich.

Also scheuere ich mich - nein, nicht am Staub...

Der Tag, bevor ich mich in die Wanne legte, der Tag war wie andere: die Arbeit, die Kollegen, der Morgen - ich habe die Schuhe des gestrigen Abends in die Mülltonne geschmissen wie einen angefaulten Apfel - ich weiß nicht warum. Und es erklärt auch nicht, warum ich jetzt... ach was, ich war wütend und da mußte eben was verschwinden. Woher kam die Wut? Woher soll sie schon kommen? Klaus.

Ich hab ja Zeit darüber nachzudenken. Jetzt habe ich Zeit.
Wieviel Zeit habe ich? Wann werden sie kommen?
Ich will, daß sie kommen. Sie müssen kommen. Ich will es.
Ich weiß gar nicht, was alles auf dem oberen Wannenrand liegt. Auf jeden Fall ein Stück der Decke der obigen Wohnung. Reste des Hauses.
Das Schlimmste war der Knall. Ich dachte noch: "Was explodiert?" Wie laut das war. Vielleicht höre ich sie deswegen nicht. Kann ich überhaupt noch hören? Vielleicht sind sie schon ganz nah.

Aber der Knall war gar nicht das Erste. Nur das Schlimmste. Und die Angst.


© by Dietmar Engelberth, 2000


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© Dietmar Engelberth, 2000