Lit. Fass-Säule   
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  © D. Engelberth, 2004 Curriculum vitae

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                                  Teil 1 von 15 ... vor
   

Ruth's Geschenk

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Am nächsten Nachmittag klopfte es. Der Freund in diesen Tagen hier in Leipzig besuchte ihn. Johannes kam zu ihm. Neujahrstag. Sie tranken Kaffee. Sie redeten. Von Plänen. Ins Ausland. Nicht nur an den Rhein oder ins Hannoversche. Ins ferne Ausland. Einmal nach, sagen wir: England. Dort würden sie gebraucht. Gleichermaßen. Auch wenn er, Johannes, nicht nur Luises wegen, verwurzelt sei. Und indessen sie Erinnerungen wie Absichtsbeteuerungen ihre Kehlen mitsamt der pustend abgemilderten Hitze hinabgoßen, verlor Christian Friedrich nicht ein Wort über den Blick. Den er eingefangen hatte, gestern, heute nacht.
Mit dem es begonnen hatte, das Neue. Das neue Jahr. 1845. Der ihn seitdem nicht losließ. Die Nacht auf dem Platz nicht, die Nacht in seinen Zimmern nicht. Nicht in den Morgenstunden, wach in seinem Bett. Nicht hernach am Tisch als die Brotkanten in die gewärmte Milch, die Stunden in den Tag glitten. Jetzt nicht, gleich ob er nun Johannes den Rücken zuwandte, um etwas zu richten und zu holen oder ob er ihm ins Gesicht redete, er wurde nicht gelassen.
Blicke. Als seien die schon an sich bedeutsam. Der Blick, der in ihm brannte. Dem er sich aussetzen wollte. Augen, die seinen Blick angenommen, nicht zurückgestoßen hatte.
In die er einsinken und auf dessen Grund er sich wiegen lassen wollte. Dem er entgegenfieberte.
Sie tranken weiter von dem Kaffee. Der kühlte nicht. Bereitwillig ließ er sich überreden noch ein Nachtmahl im "Goldenen Arm" zu nehmen, dazu ein Bier.
Um neun, vielleicht halbzehn, verabschiedeten sie sich voneinander, legte er sich hin zur Ruhe. Fand sie nicht.


© by Dietmar Engelberth, 2000


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