Lit. Fass-Säule   
(Menu)
  © D. Engelberth, 2004 Europa (Adventskalender)
  © D. Engelberth, 2004 Europa (Löwe - Fotografie - 22.12.2000)

                                                 
Chimären-Panorama

22 von 24 ...
                                                  Gute-Nacht-Märchen - Georg III

                                                 
Sie hat gehört. Oder gelesen. Oder sich ausgedacht. Oder in einem Film gesehen. Das eine Technologie-Sekte hergeht und ihre Rechner, die Bildschirme ebenfalls - die Tastaturen nicht - mit dem aufgefangenen eigenen Urin, in den Pinsel, Büschel getunkt werden, besprengt, segnet. Sieben Tage zur Wiedereinsetzung göttlichen Handelns.

Schnurren Löwen? So hat Georg ihr einmal zu erzählen begonnen, als sie nicht einschlafen konnte.
Also, als Gregory Peck einmal nicht einschlafen konnte, weil auf der Straße vor seinem Fenster Jugendliche oder Kinder Ball spielten und er mit einem Gewehr auf den Ball schießen wollte, das Gewehr schon in den Händen hielt, da stand er mit einem Mal nicht mehr hinter seinem Fenster, sondern vor einer Schießbude auf einem Jahrmarkt. In seinem Pyjama. Mit seinem Gewehr. Darauf bestand er. Aber vorerst legte er es beiseite auf den Tresen, auf den man sich aufstützt. Er wie alle anderen, die ihn erkannt hatten und nun zurücktraten, er stützte sich jetzt auch beidseitig auf. Und übte sich darin, die Plastikhüllen nur mit seiner Stimme zum Zerplatzen und zur Hergabe des Gewinns zu zwingen. Und dann nur mit seinem Blick. Nun aber, ein wenig Herausforderung muß für Gregory schon dabei sein, so dass er sich auf ein Röhrchen konzentriert. Läßt seinen Blick auf diesem einen ruhen, um dieses eine zu bewahren und bringt so das Rechteck aller benachbarten Preise zu sich. In jeder Geschichte gibt es einige Ohs und Ahs aus den Mündern der Umgebung. Das ist Gregory gewohnt, wenn er unerkannt in einen seiner Filme geht. Und hier in seinem Leben aus den Mündern der Umstehenden. Dazu das preisüberreichende Lächeln. Nun ist es an der Zeit seine Waffe aufzunehmen. Und das Lächeln springt über, frißt sich in sein Gesicht. Das Lächeln will aus seinem Gesicht nicht mehr weichen. Sowenig wie der Gewehrlauf aufhören will eine Kugel nach der anderen auszuspeien. Eine nach der anderen. Seine Hände, seine Arme, sein Oberkörper zittern mutmaßlich nur von dem frierenden Grinskrampf. Längst ist in der Rückwand der Schießbude ein Loch. Vergrößert sich. Erste Kugeln erreichen den Mond. Seine Zitterbewegungen löchern nicht nur, die unerschöpfliche Fülle von Kugeln machen den Trabanten griffig, eckig wie zuvor das Blickzielgebiet seiner Preise war. Schöner, schöner Bergkäsemond. Nun zittern sein Körper und dessen vorgehaltener Auswuchs die gesamte Bude entzwei, um den fiebrigen Lauf, als endlich auch der stützende Tresen durchtrennt ist, hineinfallen zu lassen in den Topf, den rosafarbenen, behenkelten Plastiknachttopf, der dort immer für solche Fälle wassergefüllt bereitsteht. Aah. Dort erkaltet schließlich das geschmolzene Rohr dampfend zum Einhorn und der auf ihm reitenden Königin von Saba. Und die Königin von Saba erzählt jenem von Löwe und Schaf, Ziege und Schlange, allesamt aneinandergeschmiegt, sich die Nähe gefallen lassend. Und der Löwe schnurrt. Und das hört Gregory ganz genau.

© by Dietmar Engelberth, 2000


                                                 



© Dietmar Engelberth, 2000