Lit. Fass-Säule   
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  © D. Engelberth, 2004 Europa (Adventskalender)
  © D. Engelberth, 2004 Europa (Pamplona - Fotografie - 17.12.2000)

                                                 
Chimären-Panorama

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                                                  Stiere - Nacktheit I - Hester XIII

                                                 
Mittägliches Radiokonzert am arbeitsfreiem Tag in Luxemburg. Keine Zwischen-
moderation, keine Kommentare. Musik. Nur südfranzösisches, nord-, nordost-
spanisches, südliches. Tagschlaf. Minutenschlaf. Auf Decken, Kissen, Liege. Tagnarretei. In Pamplona. Fiesta San Fermin in der Provinz Navarra. In der Hauptstadt. Neun Tage des Feierns. In weiß und rot getaucht. Weiße Hosen, Hemden, ein rotes Tuch um Hals und Bauch gebunden an den rauschenden Tagen. Encierros. Die gesamte Stadt. Stierläufe.
Durch die engen Gassen der Altstadt. Als Zeichen des Mutes Blessuren oder Verletzungen. Weiße Narben. Blutiges.

Männer, die laufen, sich gegenseitig behindern, fallen. Stiere. Scharfer Geruch. Hörner. Gerichtet auf die auf den Pflastersteinen, in den Hauseingängen, in Mauerspalten, hinter Vorsprüngen. Zufällige Männer bekämpfen, verletzen, töten. Laufende. Stiere. Hörner. Gerichtet auf ihr, auf Hesters Geschlecht. Zur Lust. Ohne jegliche Gefährdung ihrer Unversehrtheit. Sie ist vollständig bekleidet, keinesfalls auffallend, obszön, provozierend. Leicht, weiß. Hitzeangemessen. Wie auf Kinderzeichnungen, die röntgengebannt wirken. Vollkommen angezogen. Doch ihr Geschlecht den Hörnern zugänglich. Deren, daran im Traum kein Zweifel, sanften Bewegungen. Ausgelöst durch gleichermaßenes Senken und Heben des Kopfes, der Vorderbeine, der Schultern. Aufgelöst in eines Stieres Choreographie. Sie ist bereit. Inmitten des Laufes um sie her. Sie läuft nicht.

Und zugleich ist sie vollkommen nackt. Auf einem anderen fast schwarzen Stierrücken irgendwo im Gedränge. In ihrem Busen, unterhalb ihres Brustbeins, wo sich innen das Bauchfell wölbt, mit ihrem Nabel, mit den Innenseiten der Schenkel, die immer wieder eng neben dem Rückgrat zu liegen kommen, einzelne Wirbel spürend. Einstülpungen, Erhebungen. Wenn sie im Lauf gehoben wird, das Kitzeln rauer Fellhaarbüschel. Die Arme um die Weichheit des Stierhalses geschlungen. Stierenschweiß. Die Angezogene sieht die nackte Hester, die Reitende die offene Bereitschaft von Hesters verdecktem Geschlecht.

Schweiß bildet die Brücke zurück zur Alltagswelt. Schweiß an sich, unter den Decken, in den schlafzerknautschten Kissen.


© by Dietmar Engelberth, 2000


                                                 



© Dietmar Engelberth, 2000